Schöne neue Welt der Freiheit

In Österreich gelten 210 000 Menschen als extrem armutsgefährdet. Trotz Jobs müssen sie ihren Lohn mit Sozialhilfe oder Unterstützungen von Hilfsorganisationen aufstocken. Auch in der breiten Bevölkerung können sich immer mehr Menschen Grundlegendes nicht mehr leisten. Rund eine Million Menschen kommen mit ihren Haushaltseinkommen bei den Ausgaben nicht nach (der Standard vom 5.5.2023). 

Schöne Welt der Freiheit: Menschen ohne Vermögen sind darauf angewiesen, ihre Arbeitskraft zu verkaufen. Ob sie das schaffen oder nicht, ist ihr Problem. Die Lohnhöhe setzt der Käufer ihrer Arbeitskraft fest. Ob die Menschen mit ihrem Lohn auskommen, interessiert ihn nicht. Aber auch die Repräsentanten der Staatsgewalt nehmen die Verarmung der Bevölkerung lediglich mit Bedauern zur Kenntnis. So teilte der deutsche Wirtschaftsminister Habeck mit: „Wir (also er und die anderen) werden alle ärmer werden.“ Fast gleichzeitig erfolgte ein Deutschland ein 100 Milliardenaufstockung fürs Bundesheer und eine Doppelwumms (200 Milliarden Euro für die Förderung der Wirtschaft). 

Die schöne Freiheit bedeutet, dass der Staat der Bevölkerung gegenüber in einem Gewaltverhältnis steht: Er bestimmt, dass die Menschen frei sind, also ihr Vermögen vermehren können (oder auch nicht. Die Reichen können ihr Vermögen ja auch aufzehren, sie sind danach halt auch Lohnarbeiter). Menschen ohne Vermögen können ihre Arbeitskraft verkaufen oder auch nicht. Super oder?

Und das Tolle ist: Man darf wählen! Super! Man wählt die Repräsentanten der Herrschaft über sich, die alle das Gleiche wollen, nämlich Reichtum soll gefälligst akkumuliert werden, damit die Staatsmacht wächst (damit wieder mehr für das Wachstum des Kapitals organisiert werden kann, Reichtum vermehrt akkumuliert werden kann, usw.). Ja, und wenn’s blöd hergeht und sich bürgerliche Staaten auf friedlichem Weg nicht ausreichend gegenüber anderen Staaten durchsetzen können (die ebenfalls ihre Macht und ihren Einfluss erweitern wollen) – kein Problem: Dann gibt’s halt Krieg. Dann dürfen die Lohnarbeiter (die das Kapital erwirtschaften) auch gleich für die Staatsmacht sterben – na, wenn das keine schöne freie Welt ist!

Gerda Pastyrik

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