Diskriminierung von trans Personen am Arbeitsplatz

Als Gesellschaft haben wir in den letzten Jahren Fortschritte im Verständnis und der Akzeptanz von  Geschlechteridentitäten gemacht. Dennoch gibt es immer noch Diskriminierung und Vorurteile  gegenüber trans Personen, insbesondere in der Arbeitswelt. Obwohl es rechtliche Bestimmungen gibt,  die trans Menschen vor Diskriminierung am Arbeitsplatz schützen sollen, schaffen ungeschulte und nicht sensibilisierte Mitarbeiter*Innen und Vorgesetzte häufig ein schlechtes Arbeitsklima und hindern sie auf verschiedene Weisen daran, in der Berufswelt erfolgreich zu sein.

Was sagen die Gesetze?

Es ist wichtig zu betonen, dass Firmen trans Personen nicht diskriminieren dürfen. In vielen Ländern ist es illegal, aufgrund des Geschlechts oder der Geschlechtsidentität eine Person bei der Einstellung oder im Arbeitsumfeld zu benachteiligen. Darüber hinaus haben trans Menschen auch das Recht auf eine  sichere und respektvolle Arbeitsumgebung. Die Umsetzung und Wahrung dieser Rechte gestaltet sich jedoch schwierig und Diskriminierung lässt sich häufig nicht rechtskräftig beweisen.

Wo liegen einige Probleme?

Dies beginnt bereits bei den Bewerbungen. Wenn sie ihren Namen und Geschlecht ändern, kann es vorkommen, dass  sie Probleme mit dem Arbeitsamt und der Gesundheitskasse bekommen, bevor die neuen Daten  rechtlich fixiert sind. Dies kann zu unnötigen Verzögerungen bei der Jobsuche und Bewerbung führen. 

Auch das Ändern des Namens auf  offiziellen Dokumenten kann ein mühsamer und kostspieliger Prozess sein. Viele trans Personen sind  aus diesem Grund gezwungen, ihren alten Namen auch nach der Geschlechtsanpassung weiter zu  verwenden. Nicht alle trans Menschen wollen ihren Namen rechtskräftig ändern und trotzdem mit einem anderen Namen angesprochen werden. Dies kann zu Frustration und Unbehagen führen, besonders wenn der alte Name auf  offiziellen Dokumenten wie z.B. im Arbeitsvertrag steht. 

Direkte Diskriminierung am Arbeitsplatz kann viele Formen annehmen. Von Rücksichtslosigkeit über Mikro-Aggressionen bis zu gezielten Mobbinghandlungen. Selbst wenn es bei einem Mindestmaß bleibt, ist dies häufig eine ernstzunehmende zusätzliche psychische Belastung für trans Arbeitnehmer:innen. Studien haben gezeigt, dass derartige Diskriminierung dauerhaften Stress, Angstzustände und Depressionen hervorruft oder verschlimmert und zu Produktivitätseinbußen führt. In jedem Fall wird sich die trans Person an ihrem Arbeitsplatz unwillkommen fühlen. Speziell nicht-binäre trans Menschen werden zusätzlich durch Formulierungen und Anreden belastet und unsichtbar gemacht, welche sich nur auf Männer und/oder Frauen beziehen.

Häufig ist die Bereitstellung von Umkleide- und Waschräumen sowie Toiletten unzureichend. Nicht-binären trans Menschen ist es häufig unangenehm zwischen zwei Optionen wählen zu müssen, mit denen sie sich nicht identifizieren können. Sowohl sie als auch trans Menschen, die den zwei binären Geschlechtern angehören, fühlen sich häufig als Eindringlinge und werden nicht selten auch als solche behandelt.  Binäre trans Personen, die nicht geoutet sind, könnten als “Eindringlinge” angesehen werden, wenn sie auf Örtlichkeiten gehen, die ihrem wahren Geschlecht entsprechen.

Der Staat Österreich macht es nicht-binären trans Personen sehr schwer, ihr Geschlecht anzunehmen. Um in Österreich sein Geschlecht auf “Divers” eintragen zu können, muss man die Diagnose Intergeschlechtlichkeit haben. Andere Länder wie Deutschland, Schweiz, Portugal, Neuseeland und viele mehr haben diese diskriminierende Regelung nicht. Es gibt Studien, die zeigen, dass nicht-binäre Personen ein eigenes Geschlecht haben und so das Recht haben sollten, sich unter “Divers” eintragen zu dürfen.

Möglichkeiten in eine bessere Welt

Es gibt jedoch Möglichkeiten, diese Probleme zu lösen:

  • Firmen sollten Schulungen und Sensibilisierungsprogramme für ihre Mitarbeiter*innen anbieten, um die Akzeptanz und das Verständnis für trans Menschen am Arbeitsplatz zu verbessern.
  • Es sollte auch Möglichkeiten für eine geschlechtsneutrale Benennung von WC- und Umkleideräumen geben, um sicherzustellen, dass sich alle Mitarbeiter*innen sicher und respektiert fühlen. 
  • Darüber hinaus sollte es staatliche Unterstützung für diejenigen geben, die Schwierigkeiten haben, ihren  Namen und Geschlecht zu ändern.
  • Es sollten Gesetze und Richtlinien erlassen werden, um  sicherzustellen, dass trans Personen in allen Aspekten ihres Lebens, einschließlich der Arbeitswelt, nicht  diskriminiert werden dürfen und das mit hohen Strafen sanktioniert wird. 
  • Es muss auch die Verpflichtung geben, sowohl die Namens- als auch die Geschlechtsänderung ohne Belastungen möglich zu machen.Dafür gibt es in der IT-Welt Möglichkeiten, den Prozess der Namens- und Geschlechtsänderung zu erleichtern. Zum Beispiel können Unternehmen ihren Mitarbeiter*innen die Möglichkeit bieten, den neuen Name hier zu verwenden, bis ihr neuer Name rechtlich anerkannt ist, das gilt auch für die Geschlechtsidentitäten. So wäre der Name zumindest schon in der Arbeit gut eingegliedert, z.B. E-Mail-Adressen, Programmen oder Profilen.

Was muss die Politik machen?

  • Es braucht klare Unterstützung für betroffene Personen und eine Ablehnung gegen alles, was ihnen das Leben schwerer macht.
  • Es braucht offizielle Stellen, die sich mit trans Personen auseinandersetzen und ihnen im Arbeitsalltag helfen. Diese Stellen könnten vom jeweiligen Bundesland oder der AK besetzt werden.
  • Jede Person, die Gesetze einbringen kann, sollte diese Macht dazu nutzen, diesen Menschen es leichter zu machen, so zu sein, wie sie sind.

Die Gesellschaft muss verstehen

Insgesamt müssen wir als Gesellschaft mehr tun, um sicherzustellen, dass trans Personen am  Arbeitsplatz sicher und respektiert sind. Wir müssen den Umgang mit Geschlechtsidentität und – Ausdruck normalisieren und darauf achten, dass die Bedürfnisse von trans Personen erfüllt werden. Nur  so können wir sicherstellen, dass alle Menschen unabhängig von ihrer Geschlechtsidentität in einer  gerechten und inklusiven Gesellschaft leben können.

Was fordern wir?

  1. Eine unabhängige Stelle die sich mit den Problemen von trans Personen in der Arbeitswelt auseinander setzt
  2. Workshops in Firmen zu diesem Thema
  3. IT-Systemoptimierung, leichte Möglichkeiten der Implementierung von neuen Namen und Geschlecht
  4. Verpflichtende All-Gender Toiletten, Umkleiden und Waschräumen in Neubauten
  5. Beauftragte für LGBTQ+ Themen in Großkonzernen
  6. Das Geschlecht “Divers” verpflichtend in Anfragebögen
  7. Leichteren Zugang zu Geschlechtswechsel
  8. Das Geschlecht “Divers” öffnen für nicht binäre trans Personen
  9. Hohe Strafen für Diskriminierung
  10. Staatliche Unterstützung von Betroffenen

Nova Müllauer

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