
Es gibt alle möglichen Gründe für Ärger im Bergdorf Innsbruck. Zum Beispiel Straßenmusik. 200 Beschwerden sind deshalb seit Jänner bei der Stadt Innsbruck eingegangen. Allüberall ist man mit Lärm überzogen. Der fliegende Wecker ab 6:40 nervt vom Flughafen. Allmorgendlicher Berufsverkehr und Baulärm dito. Dies ist alles disharmonischer, künstlicher und zudem gesundheitsschädlicher Krach. An den hat man sich scheinbar nolens volens gewöhnt, und die Politik denkt beileibe nicht daran, etwas zu ändern. An Lärm auf Spielplätzen und Musik auf der Straße wird aber heillos rumgemeckert. Immerhin sind Kids und Musik (fast) abgasfrei! Die Fenster im Rathaus müssen wegen Musik geschlossen werden. Hä? Damit sich der Mief dort drinnen erhöhe! Hoffentlich dient dies der besseren Konzentration in deren Oberstübchen. Die schweren Kerosinbomber, die über die Stadt donnern, werden weiter toleriert.
Klaro, gehts der Wirtschaft gut, gehts uns allen schlecht!
Nun möchte man strafrechtlich gegen die MusikerInnen, sogenannte „Bettelmusikanten“ vorgehen mithilfe von neuen Gesetzen. Betteln in Innsbruck ist ja auch verboten!
Ein nettes Beispiel zeigt die Absurdität von subjektiver Musikbewertung: Auf einem Video von 2008 eilen Menschen an einem Violonisten in einer Ubahn- Unterführung in Washington interesselos vorbei, ohne stehen zu bleiben. Der Geiger ist Joshua Bell, ein berühmter Virtuose, der normalerweise ganze Konzerthäuser füllt. Er spielt inkognito auf einer Stradivari und niemand erkennt ihn. Nach dem Motto: im teuren Konzert hört man festlich verkleidet zu, auf der Straße aber kann Musik nicht qualitativ sein und/ oder wirkt störend auf Herrn und Frau Saubermann. Tja, Innsbruck war noch nie eine Kultur-und Kunststadt und wird ewig im spießigen Sumpf stecken bleiben.
Wie meinte Wilhelm Busch so treffend: Musik wird störend oft empfunden, weil sie stets mit Geräusch verbunden.
Sylvia Dürr