Asylverschärfungen

Und es wird wieder einmal um ein paar Grad frostiger für Asylwerber im kaltherzigen Deutschland. In der Ministerkonferenz wurden schikanöse Leistungskürzungen und Verschärfungen mit eingeschränkter Gesundheitsversorgung. beschlossen. Essen in staatlichen Unterkünften soll auf Zahlungen angerechnet und die Anziehungskraft des deutschen Sozialstaates soll reduziert werden. Eingespart werden laut FDP-Lindner eine Milliarde Euro. Statt Bargeld bekommt der Asylmensch künftig Bezahlkarten, damit er nicht auf dumme Gedanken kommt, womöglich paar Euros in sein Heimatland zu überweisen, was teils als Anreiz zur Flucht nach Deutschland gesehen werden könnte. (Derzeit 410 €, die gekürzt werden.) Zudem werden Grenzkontrollen bis zum Sanktnimmerleinstag verlängert. 

Österreich ist ja gut im Nacheifern, was den großen Bruder anbetrifft. Da kann man jetzt schon gespannt sein, was in den hiesigen Ministerhirnen an neuem Gesetzesmist ausgespien wird. Die katholischen Bischöfe kommen mithilfe des heiligen Geistes auf Erleuchtungsgedanken. Sie bemerken die Verschärfung der öffentlichen Debatte und deren negativer Emotionalisierung. Dahinter stecke politisches Kalkül, um bei Wahlen zu punkten. Bravo! 

Man könnte auf den bösen Gedanken kommen, dass  Asylwerber, aus welchen Gründen sie auch immer aus ihrer Heimat flüchten, nur lästige Parasiten sind, die dem Wohlfahrtsstaat auf der Tasche liegen. 

Den Asylsuchenden gehts hier teilweise so schlecht, dass einer von ihnen, um auf sich aufmerksam zu machen, Polizeiautos zerstört hat. So geschehen in Wien. Ein junger Syrer ohne Arbeit, Geld und Kontakte, wollte lieber abgeschoben werden, als hier weiter zu vegetieren. Er hatte 5 Tage zuvor nichts gegessen. Ihm wurde zudem ein versuchter Diebstahl angelastet. Die Hehlerware bestand aus 2 Paar Socken, 1 Müsliriegel und 1 Deodorant. Der junge Syrer hats deshalb im ehrlichen Saubermann-Österreich gründlich vergurkt und hat hier nix mehr zu suchen, meinen die braven Leute, wenn sie lange genug eingeseift wurden von übler braunschwarzblauer Propaganda, die hervorragend funktioniert.

Die Fluchtgründe sind bekanntlich vielfältig. Kriege, Hungersnöte, keine wirtschaftlichen Perspektiven.  Niemand verlässt gerne seine Heimat.  Der Westen sollte sich endlich  eingestehen, dass die Armländer ihre Misere  es den Reichländern und ihrem widerlich destruktiven Wirtschaftssystem zu verdanken haben. Die Menschen in den sogenannten Dritte- Welt-Staaten werden heute nach wie vor ausgebeutet und die Umwelt wird versaut, dass es einem schlecht wird. Klar gibt es immer wieder schwarze Asylschafe, die hier Mist bauen. Monatelang in der Asylunterkunft ohne Arbeit auf den Bescheid warten und überall diskriminiert werden, ist wahrlich kein Zuckerlecken. Die Gründe zu beheben, warum diese Menschen so gern in den vermeintlich schillernden Nordwesten kommen, davon ist man weit entfernt. Eher kommt man auf die perverse Idee, afrikanische Länder in Abschiebezentren mit einzubeziehen. Mit anhaltenden Hitzewellen, steigenden Temperaturen  und Dürrenöten wird die Festung Europa in naher Zukunft eh überrannt. Da nützen meterhohe, kilometerlange Mauern auch nix mehr. Was dann? Waffen sind ja da. Bereit zum Einsatz?! Nicht auszudenken! Anstatt jetzt dauerhaft  Milliarden in mörderische Rüstung zu stecken, sollte man lieber in Infrastrukturen, Umwelt und Bildung investieren. Das täte auch Österreich und Deutschland gut. Der Knackpunkt ist nach wie vor die unheilvolle Krake namens Kapitalismus und ihren willfährigen Politikern.

 Da geht eher ein Kamel durchs Nadelöhr, als dass sich in Richtung Menschlichkeit und Weitsicht etwas bewegt.

Sylvia Dürr

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