
Redebeitrag auf der Kundgebung „Hands off Venezuela“ in Innsbruck am 10.01.2026.
Mein Name ist Fernando und ich komme aus Argentinien.
Heute möchte ich über die Interventionen von Donald Trump in Venezuela und in ganz Lateinamerika sprechen. Ich möchte euch eine kritische Sichtweise vermitteln und werde dazu eine lateinamerikanische Perspektive einbringen.
Das ist nicht nur ein wichtiges Thema für Lateinamerika, sondern auch für die ganze Welt. Trump hat gezeigt, wozu er fähig ist: alle Regeln des internationalen Recht schamlos zu ignorieren.
Der Konflikt in Venezuela kann nicht von der gemeinsamen lateinamerikanischen Geschichte getrennt werden. Europäischer Kolonialismus und US-Imperialismus prägen unsere Länder bis heute.
Zuerst möchte ich etwas klarstellen: Die Situation in Venezuela ist seit vielen Jahren nicht akzeptabel. Als Lateinamerikaner fühle ich mich verpflichtet zu sagen: Das Regime von Nicolás Maduro hat versagt, die Gründe dafür sind vielfältig; sowohl intern, wie Korruption, Machtgier; als auch extern, wie die Sanktionen der USA seit 2015. Das Regime hat das venezolanische Volk in eine tiefe Tragödie geführt. Repression, wirtschaftliche Krise und fehlende demokratische Legitimität sind reale Probleme.
Der von Hugo Chavez initiierte „Sozialismus des 21. Jahrhunderts“ sollte den Menschen dienen. Heute ist er ein autoritäres System. Er unterdrückt Kritiker:innen. Nicht nur Politiker:innen, sondern auch Umweltaktivist:innen. Korruption wird fortgesetzt.
Aber ich will auch hier klar sein:
Kritik an Maduro heißt nicht, ausländische Interventionen zu unterstützen. Die Sanktionen der USA, besonders unter Trump, haben die Wirtschaftskrise verschärft. Sie sind Teil einer langen imperialistischen Strategie in Lateinamerika. Das sehen wir seit Jahrzehnten am Beispiel in Kuba.
Auch die rechte Opposition in Venezuela bietet keine echte demokratische Lösung. Personen wie Corina Machado haben ihre Legitimität nicht im Land aufgebaut. Sie haben Anerkennung in Washington oder Brüssel erhalten … und bei den wirtschaftlichen Eliten. Corina Machado bekam den Friedensnobelpreis.
Das zwingt uns, zu fragen:
Welche Art von Frieden ist das?
Ein Frieden, der Sanktionen rechtfertigt?
Ein Frieden, der Blockaden unterstützt?
Ein Frieden, der ausländische Intervention wie diese feiert?
Das ist kein gerechter Frieden.
Es ist ein neoliberaler Frieden.
Ein Frieden für Märkte.
Nicht für die Menschen.
Diese internationalen Auszeichnungen sind nicht neutral. Sie sind politische Werkzeuge.
Heute sehen wir das in Venezuela ganz klar: Trump übergibt das Öl an US-Konzerne. Er entscheidet, wo es verkauft wird und wofür das Geld genutzt wird. Dass diese Ideen von der europäischen Rechten gefeiert werden, ist kein Zufall. Auch in Lateinamerika finden sie Unterstützung. Zum Beispiel bei Javier Milei in Argentinien. All diese ultrarechten Projekte verherrlichen den Markt. Sie verachten soziale Rechte. Und sie machen Demokratie zu einer leeren Hülse oder lehnen sie ganz ab.
In Lateinamerika gibt es aber unterschiedliche Positionen zu Venezuela. Ich möchte besonders die Fälle Mexiko und Kolumbien hervorheben. Beide Länder waren früher stark an die USA gebunden. Heute stehen sie auf der anderen Seite. Beide lehnen solche Interventionen kategorisch ab. Aus moralischen, historischen und rechtlichen Gründen.
Mexiko folgt heute, unter Präsidentin Claudia Sheinbaum, einer langen Tradition der Nicht-Intervention und der Selbstbestimmung der Völker. Mexiko ist Teil von NAFTA und ist wirtschaftlich stark abhängig von den USA.
Trotzdem lehnt Sheinbaum die Sanktionen ab. Sie verteidigt den politischen Dialog als einzigen legitimen Weg.
Es geht nicht darum, ein Regime zu unterstützen. Es geht um das Prinzip:
Kein Land darf über die Zukunft eines anderen entscheiden. Schon gar nicht durch wirtschaftliche Strafen gegen die Bevölkerung.
Auch Kolumbien hat sich unter Präsident Gustavo Petro verändert. Früher war Kolumbien der wichtigste militärische Verbündete der USA in Südamerika.
Petro hat auf Dialog und Normalisierung mit Venezuela gesetzt und sich von den USA abgewandt.
Petro weiß: Konfrontation und blinde Unterordnung unter die USA sind gescheitert. Sie haben die humanitäre Krise und die Migrationskrise verschärft. Sein Ansatz ist pragmatisch, humanistisch und ökologisch. Ohne regionalen Dialog gibt es keine Lösung. Ohne Zusammenarbeit auch nicht.
Diese Beispiele zeigen: In Lateinamerika gibt es Alternativen. Alternativen zur Intervention. Zur Unterwerfung. Zur extremen Polarisierung. Sie sind nicht perfekt. Aber sie zeigen den Willen, eigene Lösungen zu finden. Ohne äußere Kontrolle.
Der Konflikt in Venezuela kann nur mit Blick auf die Geschichte Lateinamerikas verstanden werden. Seit der Intervention von Trump ist es nicht mehr nur ein innerer Konflikt. Es ist ein Kampf um Souveränität. Keine externe Macht tut das so offen, arrogant und gewaltsam wie die USA. Mit Militäraktionen. Mit politischem Druck. Mit wirtschaftlichen Sanktionen.
Wer gibt ihnen dieses Recht? Woher kommt diese Legitimation? Die Antwort ist klar:
Arroganz. Und neokoloniale, imperialistische Interessen.
Die ausländischen Interventionen, besonders die neue unter Trump, verschärfen die Krise nur. Diese Krise kann nur vom venezolanischen Volk selbst gelöst werden. „Nur das Volk rettet das Volk.“
Was wir jetzt sehen, ist ein neuer Raub von Ressourcen. Auf Kosten der Natur und der lokalen Bevölkerung. Wir alle müssen das Recht der Völker verteidigen, über ihre Zukunft selbst zu entscheiden.
Von Mexiko bis Argentinien braucht unsere Region Frieden, soziale Gerechtigkeit und echte Demokratie. Ohne ausländische Einmischung. Und ohne neoliberale Regierungen wie die von Milei in Argentinien, die alles nur als Ware sehen und NUR an das Recht des Stärkeren glauben.
Es ist Zeit, dass sich Lateinamerika vereint. Nicht nur für Venezuela. Sondern für eine Zukunft, in der alle Völker ihr Schicksal selbst bestimmen können. Wir müssen kritisch sein. Aber auch solidarisch. Und vor allem: die Souveränität unserer Völker verteidigen.
Danke.
Fernando Ruiz Peyre