Einst ein gefeierter Schönling und angesehener Finanzminister, durchlebt er nun eine Lebenswende: erst der Ziegelstadl, dann die Fußfessel, und nun der Privatkonkurs. Doch führt ihn dieses Schicksal, wie viele andere in seiner Lage, wirklich in ein Leben am Existenzminimum, geprägt von bescheidenen Wohnverhältnissen und sparsamer Verpflegung?
Bereits vor einem Jahr – noch vor Antritt seines im Ziegelstadl einsitzen – beantragte KHGr seinen persönlichen Bankrott. Zehn Gläubiger sollen auf ihr Geld warten, darunter die Republik Österreich mit Schadenersatzansprüchen in Höhe von etwa 12,7 Millionen Euro aus dem BUWOG-Verfahren sowie das Finanzamt mit weiteren 7,9 Millionen Euro. Auch Steuerberater und Anwälte haben Forderungen gestellt. Insgesamt beläuft sich die Summe der Schulden angeblich auf rund 30 Millionen Euro.
Bemerkenswert ist der Zuspruch ausgerechnet vom Tiroler KSV1870-Chef, der KHG als „sehr bemühten Schuldner“ beschreibt, der „sehr kooperativ“ sei und bei der Zusammenarbeit „eine angenehme und unkomplizierte Haltung“ zeige. Lob dieser Art ist angesichts eines Schuldenberges von 30 Millionen Euro sicherlich nicht alltäglich. Doch zumindest scheint die Abwicklung seines Privatkonkurses vorbildlich zu sein.
Im Gegensatz zu vielen anderen Privatinsolvenzen wählt Grasser offenbar einen direkten Ansatz: Sozial wie er ist, entlastet er die ohnehin weit überlasteten Tiroler Schuldenberatung und beauftragt er selbstständig einen Anwalt, der ihn jetzt bei der sogenannten Prüfungstagsatzung vor dem Bezirksgericht Kitzbühel vertritt. Persönlich wird KHG nicht anwesend sein, da er dazu ohnehin „nichts beitragen“ könne. Wie das Honorar des Anwalts finanziert wird oder ob es Teil der Konkursmasse wird, bleibt unter dem Deckmantel der Sichtbarkeit.
Aber auch das Leben nach dem Privatkonkurs wird für KHG mit Sicherheit anders verlaufen als für die meisten anderen Betroffenen. Während viele verschuldete Personen acht Jahre am Existenzminimum leben, wird KHG vermutlich seine luxuriöse Existenz fortsetzen können. Aber wie heißt es gerne im Volksmund: „Vor dem Gesetz sind alle gleich, manche sind allerdings gleicher!“
Schon während seiner Haftstrafe hatte er bewiesen, wie man trotz des Gefängnisses ein Leben im gehobenen Stil führen kann – inklusive Restaurantbesuchen am Wörthersee. Offiziell wird allerdings nicht er selbst die Kosten tragen, sondern sein angetrautes „Swaroski-Früchtchen“ Fiona Pacifico Griffini-Grasser. Somit scheint es ihm zu gelingen, sich von der finanziellen Last aus Gerichtsurteil und des Finanzamtes befreit weiter seinem Luxusleben zu frönen.
Josef Stingl