Offener Brief an die Süddeutsche

Offener Brief eines Genossen an die Süddeutsche Zeitung:

Sehr geehrte Frau Cathrin Kahlweit,

von 1972 bis 1988 hatte ich das Vergnügen, die Süddeutsche Zeitung zu drucken und selbstverständlich auch zu lesen. Wie sehr habe ich mich gefreut, nach der konservativ-reaktionären Presse in meinem Heimatland Tirol, endlich ein liberales Medium mit fundierten Hintergrundberichten und ausgewogener Berichterstattung in Händen zu halten.
Aber lang, lang ist es her und von den Intentionen der SZ-Gründerväter ist nichts mehr übrig geblieben. Die SZ von heute schwimmt, wie so viele andere europäische Medienprodukte, im EU- und Nato gelenkten Mainstream mit.
Ein besonderes Highlight in ihrer Wortwahl haben aber Ihre Redaktionskollegen Jan Heidtmann und Boris Herrmann im Artikel „Von Friedensfreunden und Feindbildern“ am Montag den 27. Februar 2023 auf Seite 5 der SZ geliefert, wo sie schreiben:
„Noch während Schwarzer redet, macht sich ein größerer Teil der FRIEDENSMEUTE schon wieder auf den Heimweg.“
Man könnte meinen, in einer Spätausgabe des Stürmer zu lesen oder in Springers Bildzeitung, aber nein, es steht in der Süddeutschen Zeitung des Jahres 2023.
Die SZ Lizenzinhaber des Jahres 1945 Goldschagg, Schöningh und Goldstein würden sich ob dieser Diktion zu Tode schämen, wären sie nicht schon längst gestorben.
Wenn man sich die Mühe macht, ein bisschen zur beruflich und politischen Herkunft der Herren Heidtmann und Herrmann zu googeln, dann wundert man sich nicht mehr. In der einst linksliberalen SZ schreibt nun ein ehemaliger Volontär der Preussischen Allgemeinen Zeitung und CDU-Politiker Mitarbeiter, und ein Volontär der Berliner Zeitung.
Wie hieß es noch im Frühjahr 1945: „Mit unseren Wunderwaffen ist der Endsieg unser!“

Heute heißen die Wunderwaffen Leopard II, Kampfjets und Sanktionen.
Selensky befiehl – wir liefern dir, bis alles in Scherben fällt!
Ich konnte an der Friedensdemo in Berlin nicht teilnehmen, bin aber dennoch mit den diffamierten Demonstranten der „Friedensmeute“ solidarisch.

Wilfried Bader

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