“Linkes Negativ-Framing” wird die FPÖ-Führung schäumen. Auch nach der ORF History-Dokumentation zu 70 Jahre FPÖ feixte ihr Generalsekretär Christian Hafenecker, dass die FPÖ kein Sammelbecken ehemaliger Nationalsozialisten sei.
Doch allein das wiederholte Abstreiten von Tatsachen bringt diese nicht zum Verschwinden: Tatsächlich spielten ehemalige Nationalsozialisten eine wesentliche Rolle bei der Gründung der FPÖ. Zu den führenden Persönlichkeiten beim ersten Parteitag im April 1956 zählten der SS-Brigadeführer Anton Reinthaller, der als erster Bundesobmann fungierte, und der Waffen-SS-Offizier Friedrich Peter.
Laut dem Bericht der FPÖ-Historiker waren angeblich auch „Neutrale“ beteiligt. Dies ist laut dem deutschen Wochenmagazin „Spiegel“ aber unwahr. Ihre Recherchen zeigen, dass die gesamte Parteiführung ausschließlich aus ehemaligen Mitgliedern der NSDAP bestand. Der Parteiführungswechsel im Jahr 1958 brachte erneut ein ehemaliges NSDAP-Mitglied an die Spitze. Haben die FPÖ-Historiker nur schlampig recherchiert oder den Bericht bewusst verfälscht?
Auch heute gibt es Figuren wie den Parteichef Herbert Kickl, der mit dem nationalsozialistisch geprägten Begriff „Volkskanzler“ kokettiert, oder Udo Landbauer, den stellvertretenden Landeshauptmann in Niederösterreich, bekannt durch ein antisemitisches und nationalsozialistisch verherrlichendes Liederbuch. Hinzu kommen der Tiroler Landesparteisekretär Patrick Haslwanter, der wegen seiner rechten Umtriebe im RFJ verurteilt und vorübergehend von der FPÖ ausgeschlossen wurde, und der blaue Nationalratspräsident Walter Rosenkranz, der sich oft mit extrem rechten Mitarbeitern umgibt.
Die Vermutung liegt nahe, dass bei einem entsprechenden Geburtsdatum auch viele heutige FPÖ-Mitglieder — insbesondere deren Führungskräfte — in der NSDAP-Mitgliederkartei zu finden gewesen wären.
Josef Stingl